„Respekt“ – eine Übersetzung für Liebe jenseits von Hollywood.

Posted on 07 September 2011 by Helge Seekamp

 „Unsere Kultur beruht auf der Fähigkeit zu kommunizieren: sprechen, schreiben, hören, lesen.“ Nur wer Wörter hat, kann Respekt erwarten in dieser Welt, das ist die schlichte, mächtige Gleichung des Schuldirektors Börje Ehrstrand in Rinkeby, Schweden.

 

Als ich vor kurzem den Artikel in der alternativen Wirtschaftszeitung Brand 1  über diese Schule in einer schwedischen Kleinstadt mit 50.000 Einwohnern las, berührte mich dieses Beispiel und macht mir Hoffnung. Aus jeder Zeile las ich das heimliche Schlüsselwort „Respekt“, der Schlüssel zu den Herzen und in dieser Schule sichtbar der Schlüssel für große Veränderungen.

Ehrstrand:

„ Und den größten Respekt, den man den Schülern erweisen kann, ist es, sie mit Worten zu versorgen. Bis daraus ihre eigenen werden.“

Deswegen pflegt die Rinkebyskolan die Worte intensiver als alles andere. Bereits in der Vorschule beginnen die Kinder mit intensivem Unterricht in drei Sprachen, Schwedisch, Englisch und der jeweiligen Muttersprache. Ehrstrand hält es für einen großen Fehler, den Kindern ihre Muttersprache auszutreiben.

Als Ehrstrand 1989 gebeten wurde, die Schule zu übernehmen, lag sie buchstäblich in Trümmern. Ein Teil des Gebäudes war abgebrannt, der Rest von Graffiti gezeichnet. Das Direktorium sowie 17 Lehrer hatten fristlos gekündigt, weil Unterricht nicht mehr möglich war. Der Krieg, vor dem die Menschen nach Rinkeby geflohen waren, hatte ihre Schule erreicht. Die Behörde erwog, zu kapitulieren und die Schule zu schließen, obwohl sie keine Ahnung hatte, was mit den Schülern dort passieren sollte.

Sein Mantra. Der 66-Jährige vermag es einfach nicht, seine Schüler als Problemkids zu sehen, er erkennt in ihnen Botschafter der Zukunft. Sie sind längst dort, wo alle anderen erst noch hinwollen – in der Weltgesellschaft. Verständnis für andere Kul- turen, Respekt vor fremden Religionen, das Miteinander unterschiedlicher Hautfarben:

„Wovon Politiker und global operierende Unternehmen sprechen, haben wir hier längst verwirklicht. Unsere Schüler haben einen gewaltigen Vorsprung vor den armen Kindern in rein schwedischen Schulen.“

Und das in einer Schule mit 350 Kindern die um die 70 verschiedene Sprachen sprechen!  Die Kinder aus Rinkeby schließen in der 9. Klasse als beste in Mathematik und überdurchschnittlich gut in allen anderen Fächern ab.

Solche Geschichten sind Hoffnungsgeschichten,  weil sie von Werten und Mut handeln. Als Christ bin ich die  tief verbunden mit diesem Wert „Respekt“, ich kenne sogar sein göttliches Gesicht. In der Person Jesus leuchtete es in der Weltgeschichte unnachamlich auf und hat seine Wirkungsgeschichte bis heute – wie wir an solchen Beispielen sehen können.

Ich finde diese Hoffnung treffend auf den Punkt gebracht im  Brief des Petrus, Kap. 1, Verse 7-12:

Ersetze ich einmal den farblos gewordenen Begriff „Liebe“ durch das Wort „Respekt“ – und ich meine, dies wäre eine angemessen Übersetzung – dann lautet der fast 2000 Jahre alte Briefabschnitt so:

„Die Zeit, in der alles zu seinem Ziel7 kommt, steht nahe bevor. Seid daher wachsam und besonnen und lasst euch durch nichts vom Beten abhalten 8.  Vor allem aber bringt einander tiefen und von Herzen Respekt entgegen, denn »Respekt«, ´so sagt uns die Schrift,` »deckt viele Sünden zu« 9 Seid gastfreundlich gegenüber euren Geschwistern; nehmt sie gern und ohne zu murren auf. 10 Jeder soll den anderen mit der Gabe dienen, die er ´von Gott` bekommen hat.“

Das wäre doch traumhaft, auch für Lemgo, für unsere Schulen, Arbeitsplätze, Familien. Respekt –  gespeist aus der  göttlichen  Quelle! Berührt von Gott, der genauso respektvoll mit meinen Fehlern und Abgründen – schon seit dem Kommen Jesu!– bis heute mit mir umgeht umgeht, denke ich: Ich möchte genau denselben Respekt meiner Umgebung zollen. Immer. Selbst wenn es schwer ist. Gerade dann!

—–

 

Hier die Bilder zur „Respekt-Predigt!“ (24 MB) von Pfr. Helge Seekamp. Und der Hintergrundbericht zu der respektablen Schule (5 MB) in Schweden. Viel Kraft und Gottes Segen auf den Spuren eines respektvollen Miteinanders im Geist Jesu.

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Über mich

Helge Seekamp ist mit 50% als Pfarrer in der ev.-ref. Kirchengemeinde St. Pauli (Lemgo) angestellt, mit weiteren 50% wirkt er als Geschäftsführer von http://www.endlich-leben.net seit 1994 (Gründungsmitglied) bei der Entstehung eines diakonischen Selbsthilfenetzwerks mit. Ehrenamtlich entwickelt er als Vorsitzender von ACC-Deutschland (Association of Christian Counsellors in Deutschland) www.acc-dachverband.de die Qualitätssicherung von BeraterInnen im Kontext der Deutschen Gesellschaft für Beratung weiter. Meine wissenschaftlichen Texte finden sich im Research-Network: Follow me on ResearchGate

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