Digital Natives und kirchliche Kommunikation

Posted on 21 Februar 2013 by Helge Seekamp

Digital Natives und kirchliche Kommunikation.
Netzinkulturation als Pastoral in einer medial vermittelten Lebenswelt.
Diplomarbeit von Andrea Mayer-Edoloeyi

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Ich versuche mich mal für die WENIGLESER in einem EXZERPT: voilá!

Ausgehend von der Wichtigkeit des Netzes für die Realität der Digigtal Natives

Es geht um Digital Natives, jenen Teil der Menschen, die das Social Web nicht nur fallweise benutzen, sondern die das Internet zu einem relevanten, alltagsbegleitenden Teil ihres Lebens gemacht haben, die online sind, nicht online gehen. Sie pflegen, wie zu zeigen sein wird, einen postmodernen Lebensstil und haben zumeist eine große Distanz zu institutionalisierten Ausdrucksformen von Religion. Wie es gelingen kann, mit diesen Menschen einen positiven Kommunikationsraum zu eröffnen, ist die Fragestellung dieser Arbeit.

ist diese fundierte Analyse ein engagierter Vorschlag, gemäß der Wichtigkeit des Internets:

Erzbischof Claudio Maria Celli, der Präsident des Rates für die sozialen Kommunikationsmittel im Vatikan, hat die Relevanz der digitalen Kultur für die kirchliche Kommunikation auf der im Oktober 2012 tagenden Bischofssynode sehr deutlich formuliert:
„Wir müssen anerkennen, dass die digitale Arena heute die Realität vieler Menschen ist, in der sie leben […]. Wir dürfen sie nicht mehr als ‚virtuellen’ Raum betrachten, der irgendwie weniger wichtig [sic!] wäre als der „reale“. Wenn die Kirche in diesem Raum nicht gegenwärtig ist, wenn die Gute Nachricht nicht auch ‚digital’ verkündet wird, laufen wir Gefahr, viele Menschen zu verlieren, für die das die Welt ist, in der sie ‚leben’: hier ist das Forum, auf dem sie ihre Informationen und Nachrichten beziehen, ihre Meinungen bilden und zum Ausdruck bringen, sich in Debatten engagieren, in Dialog treten und nach Antworten auf ihre Fragen suchen. Die Kirche ist schon gegenwärtig im digitalen Raum, aber die nächste Herausforderung ist jene, unseren Kommunikationsstil zu verändern, um diese Gegenwart wirksam werden zu lassen. […]

0.1 Zum Aufbau der Arbeit

Die Arbeit folgt im Aufbau dem bekannten – auf Josef Cardijn zurückgehenden – Dreischritt „Sehen – Urteilen – Handeln“4, es gibt aber sieben Abschnitte.
Um im Sinne des „Sehens“ die Lebenswelt der Digital Natives darzustellen, wird im ersten Abschnitt auf Basis kommunikationswissenschaftlicher Forschungsarbeiten das Phänomen Social Web beschrieben. Im zweiten Abschnitt wird diese Sichtweise verbreitert, vertieft und differenziert, indem mit Hilfe der sozialwissenschaftlichen Sinusstudien Gelegenheit ist, in die Lebenswelt jener Milieus, die beständig online sind, einzutauchen.
Dann geht es darum, zu einem theologisch verantworteten Urteil zu kommen. Dem Social Web als theologisch und pastoral bedeutsamem Ort widmet sich der dritte Abschnitt. Im vierten Abschnitt wird deutlich gemacht, dass die Rede vom Social Web in einem engen Zusammenhang mit dem Kirchenbild steht. Kirche wird als „Volk Gottes“ verstanden. Das ist die Basis dafür, in Abschnitt fünf das Konzept der Pastoral der Passung vorzustellen und auf das Social Web anzuwenden.
Handlungsorientiert ist der sechste Abschnitt. Das Konzept der Netzinkulturation wird vorgestellt und es werden konkrete Handlungsschritte genannt.
Im abschließenden Abschnitt sieben wird die Arbeit resümiert.

NUTZERREGEL: 90-9-1

Diese Regel für die aktive Beteiligung im Internet besagt, dass 90 Prozent der Nutzer nur inaktive Nutzer sind, die keine Inhalte beitragen. Lediglich ein Prozent der Nutzer ist für die Inhalte und die Aktivität in den eigenen Communities verantwortlich, wohingegen neun Prozent ein wenig zur Aktivität und zu den Inhalten beitragen.“  S. 21

POSTMODERNE Milieus als Digital Natives /vgl. Sinus-Milieus 2011

Postmoderne Milieus als Digital Natives

Oh, das bin ja ich, der oder der, beides?!: 

2.2.1 Digital Souveräne 

Digital Souveräne sind im Internet zu Hause. Sie haben eine sehr hohe IT- Kompetenz. Sie sind Vorreiter_innen im Ausprobieren neuer Dienste und auch, wenn es um die neueste Hardware geht.

„Online zu sein ist für sie keine technische Aktivität, sondern Situationsbeschreibung und damit ein selbstverständliches Moment des privaten und beruflichen Alltags. Digital Souveräne sind junge, ungebundene und flexible Nutzer aus gehobenen, postmodernen Milieus. Sie eignen sich nicht gezielt bestimmtes IT-Wissen an, sondern erwerben dieses im kreativspielerischen Umgang, d.h. überwiegend intuitiv. Sie haben großes Selbstvertrauen bei der Internet-Nutzung und wenig Sicherheitsängste.“ S. 38

2.2.2 Effizienzorientierte Performer

Dieses Internet-Milieu versteht sich als moderner Leistungsträger der Gesellschaft. Es nutzt das Internet zur Unterhaltung und noch mehr beruflich.

„Für 89 Prozent dieses Typus ist ein Leben ohne Internet nicht mehr vorstellbar. Diese große Selbstverständlichkeit geht auch damit einher, dass in ihrem Arbeitsalltag nahezu alle produktiven, organisatorischen und kommunikativen Prozesse mit dem Internet verknüpft sind. In den Unternehmen und Organisationen, in denen sie beschäftigt sind, bildet das Internet mittlerweile das Rückgrat für vielfältige interne und externe Kommunikationsprozesse, denen sich Effizienz orientierte Performer schon deshalb nicht verschließen können, da sie häufig in leitender Position beschäftigt sind und somit qua Funktion auf dem aktuellsten Stand sein müssen.“89

Effizenzorientierte Performer haben den Anspruch, überall Zugang zum Internet zu haben. Sie nutzen das Netz oft über das Smartphone und WLAN. Sie haben überdurchnittliches Interesse an Online-Dienstleistungen wie Online-Banking oder Kontakt zu Firmen und Behörden. Doch auch in den sozialen Netzwerken sind sie stark präsent (56 %).

 

RESUME 1: S. 58f

(1) Die Kirche hat, so die Ergebnisse der Sinusstudien, ein massives Kommunikationsproblem mit postmodernen Milieus, die Digital Natives sind. Internet und Social Web ist für sie ein selbstverständlicher Teil ihres Alltags, es ist mit ihrer Identität, ihren Beziehungen und ihrem Informationsmanagement verwoben. Kirche wird von Menschen mit postmodernem Lebensstil als alt, verstaubt und reformresistent wahrgenommen. Im Alltag gibt es kaum Berührungspunkte, weil diese Menschen keinen Nutzen in den Angeboten der Kirche sehen. Der Vergleich verschiedener Untersuchungen zeigt: Je kirchendistanzierter jemand ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass er_sie Digital Native ist.

(2) Bemerkenswert ist, dass es offenbar postmoderne Milieus sind, die kirchliche Internetkommunikationsangebote sehr stark nachfragen, wie der MDG-Trendmonitor deutlich macht. Das hat wenig mit ihrem religiösen Interesse zu tun. Vielmehr ist ihre intensive Internetnutzung dafür ausschlaggebend. „Internet-Aktivitäten, die den kirchlichen Mainstream anpeilen, gehen am Internet-Publikum weitgehend vorbei“190 hat Klaus Meier schon 2006 formuliert. Da es mittlerweile mehr Internetnutzer_innen gibt, ist natürlich auch der Nutzer_innenkreis religiöser Angebote breiter geworden.

(3) Gleichzeitig machen aber die Sinusstudien deutlich, dass es durchaus Chancen gäbe, einen positiven Kommunikationsraum mit postmodernen Milieus zu eröffnen, da diese mehrheitlich für Religion und noch mehr Glaube potentiell offen sind. Das Sinus-Institut nennt als grundlegende Veränderungstendenzen unserer Gesellschaft drei Faktoren:

„- Modernisierung und Individualisierung: Öffnung des sozialen Raumes durch höhere Bildungsqualifikationen, steigende Mobilität und Kommunikation und dadurch erweiterte Entfaltungsspielräume und Wahlmöglichkeiten
– Überforderung und Regression: Wachsende Überforderung und Verunsicherung durch den technologischen, soziokulturellen und ökonomischen Wandel, durch die Vielfalt der Möglichkeiten (Multioptionsparalyse) und die Entstandardisierung von Lebensläufen – mit der Folge von Orientierungslosigkeit und Sinnverlust, Suche nach Entlastung, Halt und Vergewisserung (Regrounding)

– Entgrenzung und Segregation: Durch Globalisierung und Digitalisierung getriebenes Auseinanderdriften der Lebens- und Wertewelten, sozialhierarchische Differenzierung und wachsende soziale Deklassierungsprozesse, Erosion der Mitte, Entstehen einer kosmopolitischen Elite (One-World-Bewusstsein).“192

3.2.2 Religiöse Funktionen des Internet

Franz-Xaver Kaufmann nennt sechs „lebensdienliche Kulturleistungen“ der Religion, die Markus Koban und Elke Patzelt auf das Internet beziehen. S. 67
  • „Das Internet widmet sich Affektbindungen und Angstbewältigung“
  •  „Das Internet hilft bei Entscheidungen und bietet Orientierung“2
  • „Das Internet leistet seinen Beitrag zur Verarbeitung von Kontingenzerfahrungen“230, weil es Orte bereitstellt, wo kein psychisches Leid mehr erfahren wird,
  • „Das Internet ist gemeinschaftsbildend und bietet soziale Integration“232, weil es Foren bereitstellt
  • „Das Internet trägt zur Kosmisierung der Welt bei“233, weil es neue Horizonte eröffnet und den Kosmos erweitert.
  • „Das Internet ist eine Plattform von Widerstand und Protest gegen einen als ungerecht oder unmoralisch erfahrenen Gesellschaftszustand“235
Der Religionswissenschaftler Gregor Ahn nennt das Internet eine „Innovationsplattform für Entwicklungsprozesse“236 der Religionen und stellt fest, dass

„auf dem ‚Markt’ konkurrierender religiöser Sinnsysteme, Weltdeutungsmuster, Traditionen, Gemeinschaften und Individuen nur jene anschlussfähig bleiben können, die die Chancen und Vorteile der neuen Kommunikationstechniken erfolgreich zu nutzen verstehen.“S. 69

Die drohende Gefahr der Exkulturation. Diese hat fünf Faktoren S. 105
  • Die „Binnenlogik ist abgekoppelt von dem, was man mit Durkheim als ‚Kollektivbewusstsein’, als allgemeine kulturelle Intuition bezeichnen kann.“405 Die großen Referenzfelder der Kultur kommen in der Kirche nicht mehr vor bzw. Kirche kommt in ihnen nicht mehr vor.
  • Kirchliche Think Tanks tragen nicht mehr viel zur Weiterentwicklung der gesellschaftlichen Diskursfelder bei, sie sind keine gesellschaftliche Avantgarde mehr.
  • Die Exkulturation führt dazu, dass vorwiegend Menschen rekrutiert werden, die die Exkulturation als etwas Erstrebenswertes sehen.
  • Die kulturellen Eliten zeigen sich nicht mehr im Namen der exkulturierenden Organisation.
  • Die Organisation lernt nichts mehr von der sie umgebenden Kultur, denn Umweltwahrnehmungen werden nur selektiv in die Wahrnehmung der Organisation eingespeist.

    (3) Quer zur faktischen Exkulturation der Kirche steht der Begriff der „Passung“ („Accomodatio“), ein Schlüsselbegriff des II. Vatikanischen Konzils410.

    Er meint nicht „Konformismus, Außenlenkung, Opportunismus, Anbiederung“412, sondern theologisch ist darunter das Suchen nach Anschlussfähigkeit ohne die Preisgabe des christlichen Propriums zu verstehen.  S. 106

LÖSUNG, SEHR COOL!,  im BLick auf die VIELFALT der Menschen und Gottesbilder:

 Nur wenn es gelingt, vielfältige Erfahrungen mit Gott in die Gesamtheit der Kirche einfließen zu lassen, wird die Kirche vor einer „Verengung der Gotteserfahrung“419 bewahrt, „das Hören auf die kulturelle Vielfalt ermöglicht es, die geoffenbarte Wahrheit immer tiefer zu verstehen und passender zu verkündigen.“S. 107

5.4 Philosophischer Pragmatismus als Grundlage für eine „Pastoral der Passung“ = „Inkarnationskompetenz

Pragmatismus ist „eine nicht-deterministische ‚Theorie situativer Kreativität’, wie Hans Joas das nennt“428. Typisch dafür ist die Frage, wie in einer gegebenen Problemsituation das Wissen generiert werden kann, das bei der Lösung des Problems weiterhilft 429. Es geht um Lösungen mittlerer Reichweite. „Kreativer Denkfortschritt ergibt sich nicht aus dem abstrakten Zweifel, sondern aus dem Lösungsbedarf gegebener Situationen“430 und er passiert nicht isoliert, sondern aus „den Interaktionen der in der Situation involvierten, lösungsorientierten Akteure.“ S. 108

Das bedeutet, auf die Selbstorganisation der Christ_innen zu setzen und eine Vielfalt der Lösungen und Wege…  S. 109

Mentalität von postmodernen Milieus entspricht, projekt- und handlungsorientiert zu denken, offene Räume zu kreieren und unmittelbaren Nutzen zu stiften.  S. 113

6.1 Zum theologischen Begriff der Inkulturation 

Der Begriff der Inkulturation beschreibt das wechselseitige Verhältnis von christlicher Botschaft und der Vielfalt der Kulturen. Missionstheologisch ist damit ein dauerhafter Prozess angesprochen, in dem das Evangelium in einer ganz bestimmten Situation in einer Weise zu Sprache kommt, „dass es sich nicht bloß mit Elementen dieser Situation ausdrückt, sondern zu deren inspirierender, bestimmender und transformierender Kraft wird und damit zugleich eine Bereicherung für die universale Kultur darstellt.“450; S. 114

eine neue Form von Missionstheologie, die auf eine wechselseitige Beeinflussung Wert legt und ein „symmetrisches Verhältnis zwischen Herkunfts- und Zielkultur zu etablieren  S. 115

Inkulturation in einem kulturfunktionalen Modell meint, dass die göttliche Heilsoffenbarung in den menschlichen Kulturen immer schon präsent ist. Die verborgene Präsenz Gottes ist in der lokalen Kultur zu entdecken und zu entfalten, Bibel und christliche Tradition sind dafür wichtige heuristische Hilfsmittel462. Die Stärke dieses Modells ist die aktive Wahrnehmung der Fragen und Bedürfnisse der Menschen in ihrem jeweiligen Kontext, die Schwäche liegt in der Romantisierung, Verabsolutierung und Immunisierung gegen kritische Herausforderungen.   S. 116

 

 

 

Resume 2:

  •  Etwas, das nicht im Internet zu finden ist, „gibt es nicht“ – in der Perspektive dieser Menschen. Kommunikation von Angesicht zu Angesicht und Kommunikation über das Internet ist für dieses Milieu gleichwertig, für den unbedingten Vorrang der Offline- Kommunikation gibt es kein Verständnis. 127
  • Postmoderne Milieus sind es, die das Social Web überdurchschnittlich stark nutzen. Das Netz in seiner interaktiven Ausrichtung ist ein entscheidender Teil ihrer Identitätsbildung, ihre „verlängerte Körperlichkeit“ 127
  • Es kommt dabei darauf an, dass Kirche das Internet so nutzt, wie es Digital Natives nutzen. Wer mit Digital Natives einen positiven Kommunikationsraum eröffnen will, wird das ohne Social Web nicht tun können, denn es ist alltagsbegleitend für dieses Milieu. Bei Digital Natives geht es um Netzinkulturation. 128
  • Eine „Pastoral der Passung“, die hier vorgeschlagen wird und die in Gliederungspunkt 5 näher erläutert wurde, ist ein Einlassen auf Experimente, es ist ein aktives Einbringen in reale Situationen, ein kreatives Reagieren auf das, was kommt. Darum verbietet es sich, fix-und-fertige Konzepte zu nennen, wie Netzinkulturation aussehen könnte.  128
  • Im Social Web braucht es – genauso wie an anderen Orten – Personen, die glaubwürdige Zeug_innen des Evangeliums sind, implizit und explizit. Das korreliert mit der an persönlicher Kommunikation orientierten Logik des Social Web. Aus dieser Perspektive ergeben sich viele positive Kommunikationschancen.  129
  • Change Agents sind für Jürgen Pelzer, in der Sprache des Social Media Managements – Brand-Evangelisten, „Markenverkünder, die in den sozialen Netzwerken aufgrund ihres persönlichen Eintretens für eine Marke als glaubwürdige Zeugen im Bekanntenkreis angesehen werden.“503 Aufgabe von Change Agents ist es „zu schauen, wo implizit religiöse Ausdrucksweisen entstehen und dies zu unterstützen.“5 130

    Florian Sobetzko spricht von „Ekklesiopreneur_innen“ und meint damit einen „wagnisbereiten Persönlichkeitstypus mit dem Mut und der Leidenschaft, Kirche immer wieder neu zu erfinden, um ihrem Missionsauftrag gerecht zu werden“506. 

  • Postmoderne Milieus brauchen keine „shared destiny“, keinen gemeinsamen Entwurf von Gesellschaft mehr, andere Milieus aber fordern das ein. Um zu zeigen, was damit gemeint ist, hilft ein Blick auf das Internet-Milieu der Postmateriellen Skeptiker, das in der allgemeinen Sinuslandkarte große Anteile aus dem Milieu der Sozialökologischen (früher: Postmaterielle) hat und Teile der bürgerlichen Mitte abdeckt. Postmaterielle Skeptiker sind durchaus internetaffin, doch sie sind skeptisch gegenüber sozialen Netzwerken wie Facebook und präferieren für Kontakte im Freundes- und Bekanntenkreis Emails 132.
  • Konkret bedeutet so eine Vorgehensweise in einem ersten Schritt einfach durch Verlinkung eine Referenz zwischen der Kirche als Institution, etwa repräsentiert über eine statische Website, und eigenaktiven Nutzer_innen des Social Webs herzustellen. 
  • Es ist auch zu prüfen, wie Konzepte für native Smartphone-Apps ausschauen können. Dabei ist im Hinblick auf die kirchendistanzierten Digital Natives zu bedenken, dass nur jemand, der im Alltag einen Bezug zur Kirche hat, eine explizit kirchliche App herunterladen wird. 135
  •  Wichtig erscheint auch, dass die Institution Kirche auf ihren unterschiedlichen Ebenen weiß, was über die eigene Einrichtung und die eigenen Themen im Social Web kommuniziert wird. Unter Social Media Monitoring ist die systematische, kontinuierliche Beobachtung und Analyse von Beiträgen und Dialogen im Social Web zu verstehen.  136
  • Infrastrukturen von kirchlichen Orten. Wireless-LAN ist noch lange keine Selbstverständlichkeit in Pfarrzentren, kirchlichen Bildungshäusern und selbst in Jugendzentren, aber oftmals die Voraussetzung, um sinnvoll mobil kommunizieren zu können. Dabei ist zu bedenken, dass Orte ohne entsprechende Technologien von Digital Natives schnell als defizitär wahrgenommen werden. 136
  • 137: Irgendwann wird die interaktive Facebook-Page oder ein ähnliches Tool auch das derzeit vor allem im ländlichen Raum noch gut verankerte Pfarrblatt ablösen.
  • Digital Natives beobachten aktiv, wie sich Institutionen zu diesen Fragen verhalten. Kirche als gesellschaftliche Akteur_in, als „Bürgerinitiative des Heiligen Geistes“529 braucht Kompetenzaufbau in Richtung netzpolitischer Fragen, um als Diskurspartner_in von Digital Natives wahrgenommen werden zu können. Dabei sollte insbesondere die „Option für die Armen“ eine herausragende Rolle spielen – durchaus nicht nur als Thematisierung des Digital Gap verstanden, sondern auch als Wahrnehmung der Inklusionschancen, die durch das Internet entstehen530. 138
  • Digital Natives können genauso ihre Form von Kirche bauen, wie Menschen aus traditionellen Milieus eine Heimat finden. Unterschiedliche Ausdrucksformen von Kirchen werden durch das Netzwerk miteinander in Beziehung gesetzt, durch vielfältige und differenzierte Angebote und Lernräume entstehen unterschiedliche Andock- und Passungsmöglichkeiten für Menschen aus unterschiedlichen Milieus.  139
  • AUFGABE DER KIRCHE: Digital Natives, die sich explizit und implizit religiös interessieren, innerhalb der Kirche zu bestärken, ihre Charismen aktiv zu leben.

  

Social Web stellt

 tiefgreifende Fragen der Organisation des menschlichen Miteinanders und nach dem Sinn auf den Plan. Religion als das, was uns unbedingt angeht (Paul Tillich), ist im Social Web in aller Vielfalt und Widersprüchlichkeit, die heute in der Gesellschaft vorgefunden wird, Thema.

Das Social Web ist ein pastoral und theologisch bedeutsamer Ort, weil es ein Ort lebensbedeutsamer Kommunikation ist. 141

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Über mich

Helge Seekamp ist mit 50% als Pfarrer in der ev.-ref. Kirchengemeinde St. Pauli (Lemgo) angestellt, mit weiteren 50% wirkt er als Geschäftsführer von http://www.endlich-leben.net seit 1994 (Gründungsmitglied) bei der Entstehung eines diakonischen Selbsthilfenetzwerks mit. Ehrenamtlich entwickelt er als Vorsitzender von ACC-Deutschland (Association of Christian Counsellors in Deutschland) www.acc-dachverband.de die Qualitätssicherung von BeraterInnen im Kontext der Deutschen Gesellschaft für Beratung weiter. Meine wissenschaftlichen Texte finden sich im Research-Network: Follow me on ResearchGate

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