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Nachruf zu Steve Jobs – „Marketing is about Values“

Posted on 09 Oktober 2011 by Helge Seekamp

Abschied von Steve

Steve Jobs – viel zu früh gestorben

Der zu frühe und plötzliche Tod von Steve Jobs (56 Jahre alt) berührt mich sehr, zumal ich in einem ähnlichen Alter bin wie er:-).  Aber noch viel mehr  geht es mir nahe, weil er in einer unnachahmlichen Weise für Innovationen steht, nicht umsonst sprach er immer wieder von „Revolution“(a revolutionary new product). So hat er nicht nur den Umgang mit dem Computer (grafische Nutzeroberfläche), sondern auch mit Musik-Konsum (iPod), dem Internet (iPad, iPhone) und dem Telefon revolutioniert.  Die Folge-Wirkungen sind noch gar nicht auszudenken. Allein die Bereitstellung Videoproduktion und Videoschnitt für den Massenmarkt im TELEFON (Smartphone) stellt eine Revolution der Kommunikation im digitalen Zeitalter dar.

Nach dem Tod von Steve Jobs entwickelt die Weltpresse unwahrscheinlich viele Versuche, wie Bedeutung dieses Mannes zu verstehen, seine Leistung zu würdigen und auf diese Weise dem Phänomen Apple auf die Spur zu kommen. Einer der Bürger, die mich nachhaltig geprägt haben, ist GARR REYNOLDS.

seit Jahren begleitet er die Präsentation von Steve Jobs auf seinem Block, kommentiert und interpretiert deren Konstruktionen, Aufmachung und Wirkung. Sein Ziel ist es, von Steve Jobs Präsentation viel zu lernen, um selbst überzeugend kommunizieren zu können. Mit einem Beitrag, in dem Steve Jobs  einen Einblick in seine Philosophie vor den engsten Mitarbeitern auf der Apple Campus bietet, wird deutlich: entscheidend ist, ob du den Schlüsselwert (core value)  deiner Organisationen kennst und ihm so vermittelt das durchgehend und konsistent, dass die Menschen bei allen unterschiedlichen Produkten, geht auf den Markt bringt, immer wieder diesen Schlüssel begegnen und nicht drumherum kommen.

Hier wird so deutlich, warum Steve Jobs so überzeugte. Es gelang ihm, immer wieder Begeisterung für diese Schlüsselwerte zu wecken. Das geschah zum Beispiel durch seine Think Different- Kampagne, aber auch in allen  späteren Produktvorstellungen, wurde immer wieder betont, nicht um Megabytes oder andere technische Qualitäten geht, sondern darum zum Beispiel Kreative zuvor fördern,  den Menschen die Liebe zur Musik in die Hosentasche zu geben, das Internet in die Hand zu legen und vernetzte Kommunikation unter Menschen einfach und begeisternd  zu machen.

So ist es nicht verwunderlich, dass es mehrere Bücher darüber gibt, von Steve Jobs Managementstil oder Präsentationsstil oder von der Marke APPLE zu lernen, aber auch eine Menge Internetvideos oder –Blogs dazu. Ich frage mich als Theologe und Pastor immer wieder, was kann die Kirche von Steve Jobs lernen?

Wenn die Theorie von Jobs so stimmt, bedeutet das übersetzt auf Kirche, dass es darum geht, der Öffentlichkeit ein konsistentes und überzeugendes Bild von Kirche zu vermitteln, aber eben so dass der Schlüsselwert immer wieder durchleuchtet. Wie muss Kirche sich dann öffentlich platzieren? Ein Problem dabei ist: Kann eine Ortsgemeinde im Konzert mit anderen Gemeinden der gleichen Konfessionen (Landeskirchen,  zum Beispiel in Lemgo) sich in der Öffentlichkeit überhaupt speziell darstellen?

Eine ANALOGIE: Ich bin ein Nicht-Fußball-Fan und kann  über die verschiedenen  Vereine, die mir medial vermittelt werden, und deren Besonderheiten kaum etwas berichten. Mir fallen nur unterschiedliche Symbole der Vereins ein, Farben der Vereinslogos z.B., aber ich kennen keinen wirklich auffällige Unterschied zwischen einem oder anderen Fußballverein (außer deren Ranking in der Bundesliga), habe von ferne gehört, dass der Bundestrainer (wie hieß er nur) mit einer besonders antiautoriären (umstrittenen) Trainermethodik eine „neue Schule“ des Traininerens eingeführt habe… Aber was da stimmt – keine Ahnung. Sollte ich in Lemgo einen Verein suchen, müsste ich Freunde fragen, welchen sie wohl empfehlen könnten.

Die Marke APPLE  kann sich weltweit sehr einheitlich aufstellen – bis hin in die genormten Designs der Apple Stores.  Einen ähnlichen Effekt kann die katholische Kirche verzeichnen, die sich durch eine zentrale Figur wie den Papst sehr konsistent (festgelegte Kleiderordnung, immer wiederkehrende Rituale) medial darstellen kann.  Die evangelische Kirche kann von ihrem Wesen her solch eine Konsistenz überhaupt nicht bieten, vielmehr sie vermeidet sie  direkt. Evangelische Kirche hat ihre Schlüssel-Werte meiner Einschätzung nach darin (vgl. früheren Eintrag zu den Spannungsfeldern evangelischer Kirche im 21. Jahrhundert):

  • kein päpstliches Auslegungsmonopol  der Heiligen Schrift
  • Freiheit der Formensprache (im Gottesdienst und Strukturen)
  • Demokratisierung des Glaubens, so dass jeder auf Augenhöhe mitsprechenden und mitentscheiden kann (Priestertum der Glaubenden)
  • Entdeckung des heiligen Alltags (keine Trennung von profan und sakral) „Glaube am Montag„, bzw. Heiligung des Normalen (der alltägliche  Arbeit wird von Luther zum Beruf geadelt)
  • die Leidenschaft zur Bildung (Gott-ebenbildlich werden) und deshalb Leidenschaft für die Förderung der persönlichen Begabungen / Talente

Wenn Apple mit seiner THINK-DIFFERENT-Kampagne  seinen Schlüsselwert kommuniziert bekam, wie kann eine  Evangelische Kirche diese 6 Schlüsselwerte schlüssig kommunizieren?

Wichtig beim Kommunzieren: Weniger ist mehr! Auf das Wesentliche reduzieren! Kein Fach-Theologisch (Bekenntnissätze), sondern Kundennutzen! Oder müsste ich sagen: Was du glaubst, wovon du zustiefst überzeugt bist (und was dann auch einen heilsamen Einfluss für das Leben anderer hat). So wie es Simon Sinek in diesem TED-Talk hervorragend (für Organisationen) auf den PUNKT gebracht wird.

1. Why 2. How 3. What…

Führungskegel

Das 2-dimensionale Bild wird im Kegel 3-dimensional und zeigt eine Top-Down-Führungsregel: Vom why zum what arbeiten. Bzw. von innen nach außen orientiert leiten. Das sollte für eine ideologiebezogene Institution wie Kirche selbstverständlich sein.

Ich versuche es mit diesem Satz:

1. WARUM MACHEN WIR ALL DAS HIER? 1. WHY? (Traditionell antworten Theologen: Um Gott zu ehren! Ja, aber… warum das? Weil Gott als Schöpfer dieses Universums eine einzige Sehnsucht verfolgt. Er hat sich Menschen gemacht, die er mit Kreativität ausgerüstet hat wie er nur selbst sie hat. Er hat sie sich geschaffen, um ein ebenbürtiges Gegenüber zu haben, das ihn zurückliebt, zurückfeiert, eben darin aufgeht, von Gottes Ideen begeistert zu sein. Seine Schlüsselidee ist die der Menschwerdung in Christus. Insofern ist der Auferstandene und das Gehen in dessen Nachfolge das christliche Modell der Gott-Ebenbildlichkeit. Auferstehung als Zielperspektive heißt nichts anderes als ungebrochenes Leben, Heil ist die Vollendung der irdischen, gebrochenen Existenz und jede Heilung ein Vorzeichen auf die verheißene Vollkommenheit nach unserer Auferstehung.

Und darum bekommt der Schlüsselwert „ewiges Leben“ nun diese Formulierung:  „Du blühst auf, Mensch“ bzw. allgemeiner und kurz:  „aufblühen“.


2. Wie geht das?

Die traditionelle Antwort lautet schnell, indem du dich an den „10 Geboten“ orientierst, dem Masterplan Gottes. Im Sinne von Simon oder Steve muss er lauten: Weil dich diese Begeisterung antreibt, kannst du nicht anders als menschenfreundliche Verhaltensweisen und Strukturen, Angebote oder Gottesdienste zu entwickeln. Von innen motiviert und durch ständige Übung zur 2. Natur geworden wird am Ende daraus…

3. Was machst du?

Die Frucht aus diesem Prozess, diesen Verhaltensmustern wird ein veränderter Charakter, ein Gottebenbildlicher Mensch, die von Gottes Sehnsucht transformierte neue Schöpfung.

Nur aus diesem Kern-WARUM lässt sich schlüssig verstehen, warum die komprimierte Botschaft passt, dass Menschen Mittelpunkt aller Bemühungen sind, sie ihrem eigentlichen (Gott ebenbildlich werden) Wesen näher kommen zu lassen.

Nur aus diesem Kern-WARUM lässt sich schlüssig verstehen, warum die komprimierte Botschaft passt, dass Menschen Mittelpunkt aller Bemühungen sind, sie ihrem eigentlichen (Gott ebenbildlich werden) Wesen näher kommen zu lassen.

Organisationell ist die Aufgabe der Leitung, unter allen Umständen das „Why“ zu kommunizieren, um daraus dann die Methodenfragen und am Ende die konkreten Umsetzungsfelder und -formen zu bestimmen. Dazu ist vor allen eins nötig, eine förderliche Umgebung (Freiheit) für dieses Prozesse zu schaffen.

Und noch ONE MORE THING :-)

Die Kommunikation solcher Inhalte muss selbst in einer Sprache geschehen, die den Inhalten grafisch fazinierend rüberbringt.  Skype hat diese FORMENSPRACHE für meinen Geschmack voll getroffen. So sollten wir unsere Produktpräsentation in einer den Schlüsselwerten angemessenen Form (aufblühend) rüberbringen!

 

Hier der Artikel von Garr:

Steve Jobs on marketing & identifying your core values

Steve_1997Steve Jobs had a talent for identifying what was important and what was not, and having the courage to toss what he felt was the nonessential. We see this reflected in the Apple line of products and in the Apple retail stores, and we also see it in Apple’s branding and all aspects of their marketing communications. But there was a time when Apple had gotten away from its roots and away from simplicity and clarity, not only in terms of its marketing but in terms of its products too. It took Steve Jobs coming back in 1997 to get the Apple brand back on track after years of neglect. This seven-minute clip below is from an internal presentation that Steve gave in Cupertino to his employees not long after he returned to Apple in 1997. If you are even remotely interested in business or in marketing an organization or cause of any kind in which you truly believe, you need to see this short talk.

In this presentation made on the Apple campus, Steve says that marketing is not about touting features and speeds and megabytes or comparing yourself to the other guys, it’s about identifying your own story, your own core, and being very, very clear about what you are all about and what you stand for…and then being able to communicate that clearly, simply, and consistently. As Steve says, people want to know who you are and what you stand for. In the case of Apple, the brand’s core value, as Jobs says in the presentation, is not about technology or „making boxes for people to get their jobs done.“ Apple’s core value, said Jobs, is this: „We believe people with passion can change the world for the better….and that those people who are crazy enough to think they can change the world, are the ones who actually do.“ In the end Jobs introduces the now famous Think different TV ad that was about two months in the making. This campaign was an attempt, said Jobs, to get Apple back to its core values. It was only one of many first steps, but it worked.

„To me, marketing is about values. This is a very complicated world, it’s a very noisy world. And we’re not going to get the chance to get people to remember much about us. No company is. So we have to be really clear on what we want them to know about us.“

— Steve Jobs
to Apple employees, 1997


What’s your core message?

Core_slide.001The lessons in this talk obviously can be applied directly to the art of presentation, something Steve did very well in all his presentations, big or small. Good presentation is about story, just as good branding is about story. Clarity and simplicity are key, and the way to achieve these is by being relentless in abandoning the superfluous and identifying the absolute core of your message. Clarity and simplicity are not easy—they are hard, very hard. If it were easy to be simple and clear then everyone would do it, but few actually do. It is indeed a very noisy world, and it’s getting noisier seemingly by the day. It is those people—and those organizations—who do the hard work to clarify and simplify that will be the ones who are able to rise above the noise, get their messages heard, and hopefully make a difference in this world in their own way.

 

4 Comments For This Post

  1. Heinz Ebeling Says:

    Hallo, lieber Helge.
    DAS ist mal ne Ansage!
    Super. Punktlandung.
    Das muß man mehrmals lesen.
    Danke.
    Heinz

  2. Helge Seekamp Says:

    Danke für dein Interesse und den Kommentar :-)

  3. utanapischti Says:

    Lieber Helge.
    Er war ein Visionär und einfach genial.
    Dieses Gedicht hätte ihm auch gefallen.

    Ich lebe mein Leben.

    „Man muss nie verzweifeln, wenn etwas verloren geht, ein Mensch oder eine Freude oder ein Glück; es kommt alles noch herrlicher wieder. Was abfallen muss, fällt ab; was zu uns gehört, bleibt bei uns, denn es geht alles nach Gesetzten vor sich, die größer als unsere Einsicht sind und mit denen wir uns scheinbar im Widerspruch stehen. Man muss in sich leben und an das ganze Leben denken, an alle seine Millionen Möglichkeiten, Weiten und Zukünften, denen gegenüber es nichts Vergangenes und Verlorenes gibt -.“ Rainer Maria Rilke, Rom, 29.04.1904

  4. deutzas Says:

    Lieber Helge,
    sehr klärend Deine Ausführungen. Viele Menschen haben vor lauter How und noch mehr What das Why total aus dem Visier verloren. Erst im Bezug zum Schöpfer können wir unserem Why eine Bedeutung und so unserem Leben einen Sinn geben. Danke für die Ausführungen.

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Über mich

Helge Seekamp ist mit 50% als Pfarrer in der ev.-ref. Kirchengemeinde St. Pauli (Lemgo) angestellt, mit weiteren 50% wirkt er als Geschäftsführer von http://www.endlich-leben.net seit 1994 (Gründungsmitglied) bei der Entstehung eines diakonischen Selbsthilfenetzwerks mit. Ehrenamtlich entwickelt er als Vorsitzender von ACC-Deutschland (Association of Christian Counsellors in Deutschland) www.acc-dachverband.de die Qualitätssicherung von BeraterInnen im Kontext der Deutschen Gesellschaft für Beratung weiter. Meine wissenschaftlichen Texte finden sich im Research-Network: Follow me on ResearchGate

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