Strukturen für selbstorganisierende Netzwerke ermöglichen

Posted on 25 September 2009 by Helge Seekamp

Anregungen zur strukturellen Dimension aus:
»Beziehungsweise Leben, hg: Daniel Enis & Björn Wagner, Inspirationen zum Leben und Handeln im Einklang mit Gott und Menschen, 2009, francke-verlag. (S. 162-172):

  1. Gemeinde ist Leib Christi als soziales System (aber mit einem »Charakter»). Darum kommt die Systemtheorie mit den Gesetzen der sich selbst organisierenden Systeme zum Tragen.
  2. Soziale Systeme haben die Fähigkeit sich zu verändern (wenn sie denn nicht wie Sekten, sich von anderen Systemen isolieren, sondern kommunizieren). Wie ein Familiensystem müssen sie durch Rollenänderungen und Krisen hindurch gehen.
  3. Soziale Systeme durchleben Entwicklungsphasen: • Pionierphase (personenbezogene Leitung, beziehungsorientiert) • Differenzierungsphase (Normierung der Rollen, Strukturierung der Prozesse, Organigramme, Tätigkeitsprofile… Führung differenziert sich in verschiedene Ebenen aus: Hierarchien). Krise: sehr mit sich selbst beschäftigt, Systeme immer komplizierter, Überlastung der Führung. • Integrationsphase: Erkenntnis, dass Gemeinde ein lebendiges System ist, das sich von unten her organisiert: Gruppen, Einzelne können selbständig und intelligent im Sinne eines größeren Ganzen handeln.

»Dies geschieht, wenn der Selbstorganisation des Systems Vorrang vor den hierarchichen Steuerungsbemühungen gegeben wird, was allerdings ein Umdenken der Führungsebene voraussetzt. Aufgabe einer neuen Führung ist das Gestalten förderlicher Rahmenbedingungen, die durch klare Vereinbarungen für die Ermöglichung selbstorganisierter Prozesse sorgen. Die Folge ist die Abflachung der Hierarchie, beziehungsweise ein Denken in Netzwerken.» S. 168f
»Letztlich tritt der Mensch mit seinen Begabungen und Neigungen wie auch sienen spirituellen, sozialen und körperlichen Bedürfnissen, ganz neu ins Blickfeld.»

Wir kann solch eine Führung aussehen? Lösung: Mischung aus »direktiver» und »abstinenter» Führung.
„Eine positive Führungskultur kann sich dann entwickeln, wenn das Ergreifen der Initiative und ein bewusstes Sich-zurücknehmen Hand in hand gehen.» S. 170

Das hat Auswirkungen auf den

  • Umgang mit Information (transparente Kommunikation unter allen Mitgliedern)
  • Echte Beteiligungsstrukturen (Open Space, Zukunftskonferenz, Appreciative inquiry)

Merke für die Praxis des Changemanagements:

  • Finde heraus, in welcher Phase deine Gemeinde gerade lebt…
  • Denke von den vorhanden Menschen (Netzwerken) her
  • Entwickle eine Leitungskultur ohne Kontrollzwang, sondern als moderierendes Gremium
  • Lass unter der Dachmarke viele kleine Submarken wachsen, die auch in Konkurrenz untereinander leben können (der Markt ist groß genug)
  • Fördere die Kommunikation über die Vision, Berufung, Leidenschaft (Schätze) der Gemeinschaft / Subgruppen

1 Comments For This Post

  1. Daniel Ehniss Says:

    Vielen Dank für den Link und die Erwähnung, ich bin gespannt auf die Anregungen die Sie aus dem Buch bekommen…

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  1. beziehungsweise leben / Erste Reaktionen Says:

    […] › Hier geht’s zum Artikel… […]

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Über mich

Helge Seekamp ist mit 50% als Pfarrer in der ev.-ref. Kirchengemeinde St. Pauli (Lemgo) angestellt, mit weiteren 50% wirkt er als Geschäftsführer von http://www.endlich-leben.net seit 1994 (Gründungsmitglied) bei der Entstehung eines diakonischen Selbsthilfenetzwerks mit. Ehrenamtlich entwickelt er als Vorsitzender von ACC-Deutschland (Association of Christian Counsellors in Deutschland) www.acc-dachverband.de die Qualitätssicherung von BeraterInnen im Kontext der Deutschen Gesellschaft für Beratung weiter. Meine wissenschaftlichen Texte finden sich im Research-Network: Follow me on ResearchGate

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