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Piratenerfolge (nicht nur in NRW) mal so erklärt

Posted on 14 Mai 2012 by Helge Seekamp

Warum die Piraten in die Landtage (z.B: NRW gestern) gewählt werden und welche Gefahr der Kirche gleichermaßen droht, wenn sie die Alltagskomminikation nicht beherrscht… Denn Kirche ist Kommunikation (so würde ich es mal beschreiben!),

erzählt uns  Sascha LOBO in seinem Artikel bei Spiegel-online hier. Sascha Lobo auf Twitter

Ich zitiere hier eine Passage aus seinem Artikel:

 Clay Shirky beschrieb im Jahr 2010 einen grundsätzlichen Fehler der Debatte über Internet und Politik: Die Bedeutung des Zugangs zu Informationen werde überschätzt, die des Zugangs zu Menschen werde unterschätzt. Das war auf soziale Netzwerke in undemokratischen Staaten gemünzt. Es passt aber auch auf den Umgang der deutschen Parteien mit dem Netz. Denn das Internet verheißt eine nie gekannte, digitale Nähe zwischen allen und jedem. Eine Generation, die Britney Spears antwittern kann oder mit Coca Cola chatten, erwartet diese Nähe auch von der Politik.
Wenn das der Schlüssel ist, dann bedeutet das für andere Institutionen wie z.B. KIRCHE auch entscheidendes:
Die Nähe zu Menschen ist der Schlüssel. Darum geht es in Kirche vordergründig ja schon immer. Aber nur vordergründig.
Nähe nach dieser Definition (es gibt auch die intime Nähe von 2 Personen) ist eine „öffentliche Nähe“ als wechselseitige Kommunikation (keine Verlautbarung von vorne ohne Reaktionsmöglichkeit).
Damit diese Art der Kommunikation entsteht, benötigt es Formen der Beteiligung, so dass Antworten und Reaktionen von allen gegeben und von allen kommentiert werden können.
Umgekehrt ist bei der Piratenpartei die digitale Nähe zum Bürger, jedenfalls zum vernetzten Bürger, die Regel. Der Erfolg der Piraten beruht weniger auf dem Internet, sondern viel mehr darauf, was man mit dem Internet machen kann: direkte Verbindungen herstellen.
Kriterien für solche Kommunikationsstile sind diese:
  • Authentizität (gg. Worthülsen): Der oft gehörte Vorwurf der Unprofessionalität der Piraten bezieht sich auf Antworten wie: „Davon habe ich keine Ahnung, aber ich werde mich einarbeiten.“ Dieser Satz ist in einem Alltagsgespräch das Ehrlichste und Konstruktivste, was man in der entsprechenden Situation sagen kann.
  • Wahrheit/Ehrlichkeit: Aber in einer Zeit, in der sich sämtliche Wahlergebnisse seit Christi Geburt in Sekunden recherchieren und in den richtigen Kontext setzen lassen, ist nach einer verlorenen Wahl eine Behauptung wie „Eigentlich haben wir gewonnen!“ fatal. 
  • Alltagssprache nutzen: Und das heißt, sich ohne Anbiederung auf die Sprache des Internets einzulassen – die entgegen des kulturkritischen Vorurteils ungefähr der Sprache des normalen Alltags entspricht.
  • Kirche ist ein andauerndes Gespräch: David Weinberger mit dem heute noch immer wegweisenden Cluetrain-Manifest gegen die künstliche Kommunikationskultur der Unternehmen. Die erste These lautet: „Märkte sind Gespräche.“ 

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Über mich

Helge Seekamp ist mit 50% als Pfarrer in der ev.-ref. Kirchengemeinde St. Pauli (Lemgo) angestellt, mit weiteren 50% wirkt er als Geschäftsführer von http://www.endlich-leben.net seit 1994 (Gründungsmitglied) bei der Entstehung eines diakonischen Selbsthilfenetzwerks mit. Ehrenamtlich entwickelt er als Vorsitzender von ACC-Deutschland (Association of Christian Counsellors in Deutschland) www.acc-dachverband.de die Qualitätssicherung von BeraterInnen im Kontext der Deutschen Gesellschaft für Beratung weiter. Meine wissenschaftlichen Texte finden sich im Research-Network: Follow me on ResearchGate

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